ca. 1720 - 1789
Rokoko frz. - Rocaille das, bildende Kunst: die
Spätphase des Barock als Ausdrucksform des späten Absolutismus,
etwa zwischen 1720 und 1780. Ursprungsland des Rokoko ist Frankreich, wo mit
dem Stil der Regence Größe und Pathos des Barock dem Gefälligen,
Eleganten wichen; das Höfisch-Repräsentative wandelte sich zum Intim-Persönlichen.
Der Geist der Rokokomode war in erster Linie geprägt von Kultiviertheit
und Raffinesse.
Ziel war
es, trotz aufwendiger Aufmachung, natürlich und vor allem ungezwungen
zu wirken. Dies war ein geradezu charakteristisches Kennzeichen dieser Epoche.
Erwartete man noch im 17. Jahrhundert von den Damen eine vornehme Steifheit
in Kleidung und Verhalten, so wurde im 18. Jahrhundert vor allem Wert auf
Koketterie, Leichtigkeit und Beweglichkeit gelegt. Obwohl im Vergleich mit
der Vergangenheit die Damenmode farbenfroher und auch opulenter wurde, wirkte
sie trotz allem luftig und bequem. Die Herren hingegen verzichteten fast vollständig
auf den Pomp des vorigen Jahrhunderts und trugen hauptsächlich lockere
Anzüge die für jeden Anlass unterschiedlich stark bestickt und geschmückt
waren.

Die Damenmode war geprägt vom Reifrock, der um 1715
aufkam und wegen seiner Ähnlichkeit zu Hühnerkörben im Volksmund
auch Panier genannt wurde. Er war das Kleidungsstück, welches sich wohl
während des gesamten Rokoko am häufigsten veränderte, von kegel-
über trapezförmig, hin zu eckig und zur ovalen Kuppelform. Darüber
wurde ein Rock (Jupe) und ein einteiliges, vorne offenes Kleid getragen. Die
Ärmel waren ellbogenlang und endeten meist in flügelartigen Aufschlägen.
Als Robe war die Contouche oder "französische Robe" beliebt, deren Falten
elegant am Rücken herabfielen.
In England wurde währenddessen das Manteau beibehalten und weiterentwickelt
(die "englische Robe" oder auch "Mantua"), mit fest angenähten Rückenfalten.
Während die Prachtentfaltung bis in der ersten Jahrhunderthälfte
hauptsächlich in Stoffmustern und breiten Paniers bestanden hatte, wurde
sie ab ca. 1750 vor allem durch Volants und Rüschen geleistet; die Stoffe
hingegen wurden schlichter. Die Ärmelaufschläge wurden durch dreistufige
Volants ersetzt, die Kleider enger tailliert. Bei den Stoffen bevorzugten
die wohlhabenden Frauen Seidenstoffe wie Satin, Taft, Faille oder Damast.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts waren vor allem großflächige florale,
blumige Musterungen und Drucke in Mode, die im Laufe der Jahrzehnte immer
kleiner und dezenter wurden.
Das Haar wurde aufgesteckt getragen, zuweilen gepudert und eine Haube daraufgesetzt.
Zu festlichen Anlässen wurde die Haube weggelassen und das Haar je nach
finanziellen Möglichkeiten mit Blüten, Bändern oder Juwelen
verschönert. Die Perücke kam erst in der zweiten Hälfte des
Jahrhunderts auf, ebenso wie das "Weißpudern" des Gesichts - man strebte
zwar eine noble Blässe an, wollte sich diese allerdings noch ohne Hilfsmittel
erhalten. Die Frauen der Unterschicht hatten wenig Zeit, sich um Mode zu kümmern;
sie trugen ausschließlich hochgestecktes,
unter einer Haube verborgenes Haar.


Die Herrenmode veränderte sich gegenüber dem Ende
des vorigen Jahrhunderts kaum und machte auch während des gesamten Rokoko
keine nennenswerten Veränderungen durch. Ein Anzug bestand aus dem Justaucorps
(Gehrock) mit Weste und Kniehose (Culotte).
Die Rockschöße wurden ab 1730 immer weiter, dann wieder kleiner
und schließlich, ab 1760, vorn leicht (schräg) weg geschnitten.
Die Weste darunter wurde ebenfalls kürzer, bis sie nur noch zur Hüfte
reichte. An den Handgelenken sowie auf der Brust war der Spitzenbesatz des
Hemdee (Jabot) sichtbar. Dazu trug man eine Halsbinde oder eine Cravate.
Dazu trugen die Herren schwarze Lederschuhe mit Zinn-, Messing- oder Silberschnallen
und meist weiße, seltener schwarze Kniestrümpfe aus Leinen, Baumwolle
oder Seide. Im Gegensatz zur Damenmode blieb die Perücke für einen
Herrn unverzichtbar und war bei öffentlichem Auftreten nicht wegzudenken.
Jedoch wurde die überladene Lockenpracht der Allongeperücke, wie
man sie noch zu Zeiten Ludwig XIV. getragen hatte, durch kürzere Formen
abgelöst, die oft nur noch an der Seite eine einfache Locke zeigten und
hinten ineinem Haarbeutel oder einem Zopf (Zopfperücke) zusammengehalten
wurden. Dazu trug man den Dreispitz.
Watteau-Seide